Das Reichenberger Unterwelt – Wasserleitungsnetz

Zu den ältesten großen technischen Wasserwerken in Reichenberg und Umgebung zählen die Mühlbäche, Hämmer und weitere Anlagen. Die Wasserleitung ist auch im europäischen Kontext das erste große technische Wasserwerk, das seit seiner Entstehung immer wieder erweitert und modernisiert wird.
Das Wasser in Reichenberg wird in den städtischen Archivalien 1559 zum ersten Mal in Zusammenhang mit dem Brunnen auf dem heutigen Dr.-E.-Benes-Platz erwähnt. In dieser Zeit wurde auch die erste Wasserleitung erbaut. Diese führte von der Stelle, wo heute das Reichenberger Krankenhaus steht, in Richtung Herrenhaus, offenbar in den Raum des gegenwärtigen Gartens des Reichenberger Schlosses und die Galerie. Die Wasserleitung wurde bis zum Brunnen in der Felber Straße verlängert. Der Bedarf an hochwertigem Trinkwasser veranlasste die Gründung einer Abteilung, die sich mit dem Aufbau und der Instandhaltung von Wasserleitungen auf dem Stadtgebiet befasste. 1865 wurde ein Fachmann aus dem Christoph-Tal hinzugezogen, der mit der Wasserzufuhr ins Stadtzentrum beauftragt wurde. Es wurde die erste Gebühr eingeführt, die sog. Leitungsgebühr, die von 78 Stadtbewohnern bezahlt wurde. Fünf Jahre später existierte in der Stadt bereits eine Werkstatt zur Holzrohrherstellung. Mit dem Wasser wurden Steinmauerreservoire oder bestehende Brunnen aufgefüllt. Es wurde die Basis der Reichenberger Wasserleitung geschaffen. Die Aufgabe der nachfolgenden Investitionsaktionen waren die Kapazitätserweiterungen, das Auffinden neuer Quellen und die Netzerweiterung. 1587 rekonstruierte Joachim Ulrich aus Rosenfeld die Herrenwasserleitung – die sog. Rederner Wasserleitung, die in den Jahren 1612 – 1613 erbaut wurde. Am Bau eines Teils des gegenwärtigen Falkenauer (Sokolovsky) Platzes war auch schon Albrecht von Wallenstein beteiligt, der Besitzer der Friedländer Herrschaft. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts beschränkten sich die Arbeiten an der Wasserleitung nur auf Instandsetzungen von Störungen. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Möglichkeit des Aufbaus einer ganz neuen Wasserleitung zugestanden. Die alte wies viele Mängel und Störungen auf. Die schlechte Trinkwasserqualität war auch eine der Ursachen der Typhusepidemie in Reichenberg von  1866. Der Stadtarzt G. A. Bronté führte in seinem  Bericht  auch den  schlechten

schlechten Zustand der Wasserleitung als eine der Ursachen auf. 1867 tagte zum ersten Mal die Kommission, die mit dem Auffinden neuer Wasserquellen für die Stadt beauftragt wurde - von den großen Talsperren im Isergebirge bis zu den Machendorfer Quellen. Schließlich wurde diese Angelegenheit durch die Ankunft von Ing. U. Huber gelöst, der die hydrogeologische Karte von Reichenberg und Umgebung bearbeitete und zwei Varianten der Wassergewinnung entwarf. Der erste Entwurf rechnete mit dem mehrere Kilometer langen Stollen unter dem Jenschkenkamm. Der zweite, der realisiert wurde, zog die Quellen und das aus der Erde sprudelnde Wasser in Machendorf und im Christoph-Tal in Erwägung. Da die Quellen sehr niedrig lagen, ließ Huber beim Engelberg ein Wasserkraftwerk bauen, das einige Pumpenanlagen mit Strom versorgte. Diese förderten Wasser in den Hauptwasserturm im Königshain (Králův Háj). Am 21. Dezember 1902 wurde die erste moderne Wasserleitung in Reichenberg feierlich in Betrieb genommen. Im Laufe der folgenden Jahre wurde sie erweitert, wurden neue Wassertürme gebaut und auch andere Quellen gesucht. Anfangs der 30-er Jahre des 20. Jahrhunderts konnten ergiebige unterirdische Wasserquellen in Dolánky bei der Gemeinde Křída (Kreide) auf dem Gebiet von Böhmisch Aicha (Český Dub) entdeckt werden. Die 1959 erbaute Rohrleitung führt aus Dolánky über Böhmisch Aicha Český Dub und Hodkovice nad Mohelkou zur Pumpenanlage und weiter in den Wasserturm in Hermannsthal (Jeřmanice) und Vesec. Das größte, an Reichenberg angeschlossene Wasserwerk, entstand in den 70-er und 80-er Jahren des 20. Jahrhunderts mit dem Aufbau der Talsperre in Josefsthal (Josefův Důl). Die Talsperre ist mit speziellen Wasserleitungsanlagen– Entnahmeturm und Stollen – ausgestattet. Der Entnahmeturm mit einem Grundriss von 19,2 x 21,1 m ist 60 m hoch. Zur Wasserabnahme aus dem Turm dienen 5 in unterschiedlichen Höhen angebrachte Öffnungen, das Wasser wird weiter durch eine Rohrleitung mit einem Durchmesser von 800 mm geleitet, die in einem 2,569 km langen zur Friedrichswalder Aufbereitungsanlage führenden Stollen verlegt ist. Von hier aus führt ein weiterer Stollen fast fünf Kilometer  zum  Wasserturm  Orion  /weitere   Informationen  Talsperre  Josefsthal/.

Bearbeitet von: OHK v Jablonci nad Nisou
Übersetzung: EDUCA – vzdělávací centrum, s.r.o., Jablonec nad Nisou 

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